Ausgezeichnet

Zertifiziert mit 5 Sternen ("sehr gute pädagogische Qualität")

Kita Friedenau: Ausgezeichnet mit 5 Sternen

Warum wird der Vertrag nicht verlängert?

Die Verdrängung des Kinderladens in der Sieglindestraße geht durch die Medien. Da die Berichterstattung naturgemäß nicht alle Details beleuchten kann, kommt es in Kommentarspalten schnell zu Gerüchten und Mutmaßungen, was „tatsächlich“ hinter dem Streit stecken könnte. Wir wollen hier daher typische Punkte aufgreifen und richtig stellen.

Miete immer pünktlich bezahlt

Es gibt und gab nie Mietrückstände. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der zwar nicht gewinnorientiert arbeitet, aber selbstverständlich mit den nötigen Rücklagen, um immer pünktlich die Miete zahlen zu können.

Keine Dumpingmiete

Bei sehr alten privaten Mietverträgen zahlen Mieter in Berlin oft Preise, die für die Vermieter kaum kostendeckend sind. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir zahlen eine marktübliche Miete, die in den Jahren 2012 bis 2014 um 25% erhöht wurde. Ein Jahr später haben die Vermieter eine weitere Erhöhung verlangt. In nur drei Jahren hätte sich die Miete damit um rund 40% erhöht. Da Mieterhöhungen laut Vertrag nur im Einvernehmen getroffen werden dürfen, haben wir einen Alternativvorschlag gemacht. Darauf sind die Vermieter nicht eingegangen und haben stattdessen die Kommunikation beendet.

Kein Eigenbedarf

Eigenbedarf ist der Klassiker bei Kündigungen von privaten Mietverträgen. Die ursprüngliche Käuferin der Immobilie hatte tatsächlich eine Eigennutzung angedacht, ihre Erbinnen möchten den Laden aber nicht selbst nutzen. Trotzdem haben sie gekündigt.

Regelmäßige Renovierung und Sanierung

Bei einer Besichtigung vor einigen Monaten beschwerten sich die Vermieterinnen über fehlende Farbe und Spinnweben, gegenüber der Boulevardzeitung B. Z. behauptete eine Vermieterin dann sogar, die Immobilie sei "heruntergewirtschaftet".

Das ist großer Unsinn. Wir haben allein in den letzten sechs Jahren insgesamt drei Mal renoviert, eine Komplettsanierung des Bades durchgeführt, Boden und Mauer ausgebessert. Alles in Eigenregie und auf eigene Kosten.

Ein Kinderladen unterliegt der ständigen und strengen Aufsicht von Kita-Aufsicht, Gesundheitsamt und Brandschutzbeauftragten, Mängel werden hier nicht geduldet. Auch bei einer unabhängigen Evaluation haben wir die Bestnote mit fünf Sternen erhalten.

Richtig ist: Ein Kinderladen ist kein Designer Loft und ein Altbau ist kein Neubau. So wäre zum Beispiel der Wechsel der straßenseitigen Fenster sinnvoll, da durch sie sehr viel Heizenergie verloren geht. Auch eine neue Küche wäre wünschenswert. Wir haben den Vermieterinnen daher angeboten, gemeinsam den Laden weiter zu sanieren. Größere Investitionen von unserer Seite setzen aber natürlich eine langfristige Perspektive voraus, die in den letzten Jahren leider gefehlt hat.

Beliebt bei den Nachbarn

Kinder und Streit mit den Vermietern – schnell assoziiert man da Lärmbelästigung und Ruhestörung. Nicht bei uns. Unsere Nachbarn und die anderen Bewohner des Hauses freuen sich über das Leben auf der Straße und haben gleichzeitig am Wochenende, abends und nachts viel Ruhe, weil wir dann natürlich geschlossen haben. Wir engagieren uns regelmäßig bei Kiezaktionen (z. B. Müllbeseitigung und Bepflanzung auf dem Varziner Platz), sind viel im Gespräch mit unseren Nachbarn, nehmen ihre Pakete an etc. Kurzum: Das Verhältnis zu den Anwohnern ist bestens. Entsprechend schockiert sind sie, dass wir gehen sollen.

Befristung heißt nicht, dass wir gehen wollen

Unser aktueller Mietvertrag war auf fünf Jahre befristet mit einer Verlängerungsoption um 2 Jahre. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir zum Ende der Laufzeit die Räume verlassen möchten oder dies gar angekündigt hätten. Im Gegenteil: Wir haben den Vermietern immer sehr deutlich gesagt, dass wir bleiben und verlängern wollen. Die Befristung ergibt sich allein aus dem Mietrecht, das für Gewerbetreibende leider katastrophal ist. Hat man nämlich einen unbefristeten Mietvertrag, könnte der Vermieter einen quasi von heute auf morgen vor die Tür setzen. Eine Befristung bietet immerhin für die vereinbarte Zeit einen Schutz. Läuft die Zeit ab und stellt sich der Vermieter dann quer, steht man jedoch auf der Straße. Das ist ein Unding. Es führt dazu, dass immer mehr Kinderläden in Berlin von der Schließung bedroht sind und sich der Betreuungsnotstand weiter verschärft.

Wir suchen schon seit Jahren

„Die hätten ja rechtzeitig suchen können“, hieß es auch schon in einem Kommentar. Das ist unfair. Wir halten seit Jahren Augen und Ohren offen und sprechen systematisch andere Vermieter an. Aber es ist fast unmöglich, etwas Passendes zu finden. Mehr als 80 erfolglose Anfragen bei leer stehenden (!) Räumen sprechen für sich. Zusätzlich erschwert hat die Suche, dass unsere Vermieter uns keine Zusage geben wollten, im Erfolgsfall vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen zu dürfen. Hätten wir zum Beispiel schon im Sommer 2012 die perfekten Räume gefunden, hätten wir bis zum Ende der ersten Befristung drei volle Jahre doppelte Miete zahlen müssen. Das kann sich ein gemeinnütziger Verein nicht leisten.

Fazit

Zuverlässige Miete, zufriedene Nachbarn und eigenverantwortliche Instandhaltung der Räume – eigentlich ein Traum für jeden Vermieter. Doch warum in aller Welt werden die Verträge dann nicht verlängert? Rational ist das nicht zu verstehen.

Dass Vermieter das Recht haben, aus einer Laune heraus und ohne Not einen etablierten Kinderladen auf die Straße zu setzen, ist ein politischer Skandal, den wir öffentlich anprangern.